„Nur ihr Städter redet so über Natur: Für euch ist sie dermaßen abstrakt, dass sogar der Name abstrakt ist.
Wir sagen Wald, Weide, Bach, Fels – alles Dinge, die man anfassen und nutzen kann.
Was nutzlos ist, bekommt gar keinen Namen, weil es nichts bringt.“
Dieser Abschnitt aus Die acht Berge von Paolo Cognetti ist mir im Kopf hängen geblieben.
Ihr wisst ja, ich arbeite viel mit wilden Kräutern, mit Draußensein, mit Erde an den Händen und Pflanzen vor den Augen.
Für mich ist Natur kein bloßer Begriff, sondern Begegnung: riechen, schmecken, fühlen, sehen, unterscheiden, ernten.
Gleichzeitig sehe ich, wie oft von „der Natur“ gesprochen wird – als Idee, als Wert, als etwas, das man schützen soll, ohne es wirklich zu benennen.
Abstraktion ist wichtig, keine Frage. Aber sie ersetzt nicht die Erfahrung.
Vielleicht liegt genau dort der Schlüssel:
Natur nicht nur abstrakt denken, sondern benennen können.
Nicht nur irgendetwas schützen wollen, sondern wissen, was da wächst.
Dieser eine Abschnitt gibt so viel Raum für Diskussion und Gedankenaustausch. Ein sehr schönes Buch übrigens – ich empfehle es sehr.
Und dann fällt mir noch das geflügelte Wort ein: „Nur was man kennt, schützt man auch.“
Ja, Wissen ist ein Weg zur Verbindung. Aber ist es der einzige?
Haben wir nicht in uns etwas, das uns diese Verbindung ohnehin spüren lässt – etwas, das jenseits von Namen und Nutzen liegt?
Das war quasi mein Wort zum Sonntag. Lasst gern eure Meinungen da.



